RÜCKSCHAU: Ausstellungseröffnung „Vietnamesische Rostocker. Ehemalige Vertragsarbeiter erzählen“ (20.10.14)


RÜCKSCHAU: Ausstellungseröffnung „Vietnamesische Rostocker. Ehemalige Vertragsarbeiter erzählen“ (20.10.14)

Das Licht dieses sonnigen Oktobertages durchflutete in Streifen die Rathaushalle und die von der 14jährigen Konservatoriumsschülerin und HMT-Frühstudentin Hai Thao My Nguyen dargebotenen  klassischen Klavierstücke begeisterten die Besucher der Ausstellungseröffnung  „Vietnamesische Rostocker. Ehemalige Vertragsarbeiter erzählen“ am 20. Oktober im Rostocker Rathaus.

Der Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock, Roland Methling, erinnerte sich in seinem Grußwort an seine ehemaligen vietnamesischen Kollegen im Rostocker Überseehafen und hob die Bedeutung dieser Gruppe Rostocker Zugewanderter für die Hansestadt hervor.  Prof. Dr. Werner Pade, Vorstandsvorsitzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Mecklenburg-Vorpommern, Forum für politische und interkulturelle Bildung e. V. betonte, dass die Stiftung die Ausstellung gern mit finanzieller Förderung unterstützte, da sie einen wichtige Aspekt der Stadtgeschichte beleuchtet.

Nguyen Duy Long, Vorstandsvorsitzender Diên Hông e.V., berichtete aus seiner persönlichen Erfahrung als Vertragsarbeiter in der DDR und von der schweren Zeit nach der Wende, in der die Vietnamesinnen und Vietnamesen sich teilweise aus dem Nichts eine Existenz aufbauen mussten. Anschließend informierte Frau Vu Thanh Van, eine der Organisatorinnen der Ausstellung, über deren Entstehen. Ein langer Prozess, begonnen 2012 mit Gesprächskreisen, fand seinen Abschluss nun mit der Ausstellungseröffnung. Dieser Abschluss ist aber nur vorläufig, denn eine Erweiterung der Ausstellung um die Sichtweisen der zweiten un dritten Generation ist bereits in Planung.

 

Vor über 30 Jahren kamen die ersten der ca. 1.500 vietnamesischen Vertragsarbeiter nach Rostock. Ein Großteil von ihnen arbeitete im Rostocker Überseehafen im Umschlag, in der Neptunwerft, bei der Deutschen Reichsbahn oder nähten die bekannte DDR-Jeans „Shanty“ im VEB Jugendmode Rostock-Evershagen.

Nach der Wende 1989 und der Wiedervereinigung 1990 standen die ehemaligen Vertragsarbeiter vor einer schweren Entscheidung: Gehen oder bleiben? Viele blieben und suchten neue Wege, ihre Zukunft in dem nun neuen Deutschland zu gestalten und zu sichern.

 


Fotos und Texte der Ausstellung dokumentieren den Weg einiger der hiergebliebenen Vertragsarbeiter vom Ankommen in Rostock bis heute. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen nicht geschichtliche Daten und Fakten, sondern deren subjektive Seite, das Erleben und die Erfahrungen der Menschen. Diese werden in Form von kleinen Episoden, erzählt durch die Vietnamesinnen und Vietnamesen, sowie durch Fotos und andere Zeitdokumente erlebbar. Auf 18 Tafeln werden diese persönlichen Geschichten und Dokumente dargestellt, angefangen bei den Wünschen und Vorstellungen vor der Reise in die DDR über die schweren Jahre der Nachwendezeit bis hin zur heutigen Lebenssituation und Zukunftswünschen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Oktober 2014, montags bis freitags von 08-19 Uhr, in der Rostocker Rathaushalle zu besichtigen.

 


Programm der Ausstellungseröffnung „Vietnamesische Rostocker. Ehemalige Vertragsarbeiter erzählen“
Artikel in der NNN vom 21.10.14
Artikel in der OZ vom 21.10.14

On Oktober 22nd, 2014, posted in: Newsarchiv by