Anbau von asiatischem Gemüse

Anbau von asiatischem Gemüse in der Versuchsstation des Fachbereichs Agrarökologie der Universität Rostock im Rahmen der ABM 1824/00
Laufzeit: von 01.12.2000 bis 31.11.2001
Projektleitung: Dr. Britta Kowalski
Beschreibung und Ziele: Der Rostocker Verein Diên Hông – Gemeinsam unter einem Dach e.V. hat im Dezember 2000 mit Unterstützung des Arbeitsamtes und in Kooperation mit dem Fachbereich Agrarökologie der Universität Rostock ein neues und innovatives Projekt gestartet. Im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungs-maßnahme prüft eine vietnamesische Rostockerin unter wissenschaftlicher Begleitung, welche asiatischen Kräuter und Gemüsesorten zu welchen Konditionen von den in der Region tätigen Restaurant- und Bistrobesitzern mit asiatischer Küche gewünscht und bezogen werden. Nach dieser Analyse werden die entsprechenden Pflanzen dann unter Folie und im Freiland aufgezogen, der Nährstoffgehalt im Labor untersucht und die agronomischen Parameter für einen ständigen Anbau in Rostock ermittelt. Bei Ergebnissen, die unter marktwirtschaftlichen Bedingungen zu einer Realisierung eines Gemüse- und Kräuteranbaus führen könnten, sollen bis zu zwanzig interessierte vietnamesische Frauen, die in den letzten zwei Jahren im Rahmen des  Familiennachzuges nach Deutschland eingereist sind, eine Umschulung zur Gemüsegärtnerin mit kaufmännischen und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen erhalten. Anschließend, so die Idee, könnten einerseits diese Frauen in einer selbstverwalteten GmbH einer sicheren und sinnvollen Beschäftigung nachgehen, andererseits die Gourmets und FreundInnen der asiatischen Küche frische und einheimische Ware kosten. Bis jetzt wird ein Großteil der asiatischen Kräuter in Holland produziert und in Hamburg und Berlin geordert. Warum soll sich das nicht ändern? Regionales auf den Tisch!

Die Prüfung der Gemüsearten fand unter drei unterschiedlichen Bedingungen statt, in zwei Gewächshäusern, wobei die Tagestemperaturen in Gewächshaus 1 zwischen 5 und 10°C höher lagen als in Gewächshaus 2, sowie im Freiland. Ab April wurde monatlich gesät, die Aussaat fand immer am ersten Tag des Monats statt, nach 10 Tagen wurden die aufgelaufenen Pflänzchen in 5cm Abstand pikiert. Auflaufen und Überlebensrate waren generell in den Sommermonaten am besten. Zwei Wochen nach dem Pikieren wurde ins Freiland gepflanzt, in 30 cm Abstand.

Zur richtigen Aussaatzeit war das Wachstum im Gewächshaus gut, die Entwicklung schnell. Zur nicht optimalen Zeit ließ die Entwicklung stark nach. Es kann zu unerwünschter Blüte kommen. 40-47 Tage nach Aussaat wurde geerntet. Wasserpfeffer, Blattgemüse, Chrysantheme, Koriander und Basilikum wuchsen gut im Gewächshaus. Beim chinesischen Koriander war die Saatgutqualität schlecht, der vietnamesische Koriander lief zufriedenstellend auf. Es zeichnete sich die Tendenz ab, daß das wärmere Gewächshaus höhere Erträge brachte. Süß- und Bitterkohl blühten, was zu geringen Erträgen und unzureichender Qualität führte. Die Zwiebeln liefen auf, aber wuchsen nicht. Ausgewertet wurden Grünmasse, Stengellänge, Blattzahl, Trockenmasse, Wurzelmasse. Im Freiland waren Juli und August gute Wachstumszeiten für Gemüse, besonders für Wasserpfeffer, Blattgemüse, Chrysantheme und Koriander. Süßkohl, Bitterkohl und Basilikum entwickelten wenig Blattmasse und blühten. Der Juni war zu kühl, die Pflanzen wurden gelb und blieben sitzen. Paprika wächst sehr langsam, die Früchte bleiben grün und werden nicht scharf. Im Freiland kann die verfügbare Vegetationszeit zu kurz sein, besonders wenn der Juli kühl bleibt. Es wäre daran zu denken, im Gewächshaus einen längeren Vorlauf zu geben, falls das Kosten-Nutzen Verhältnis zu vertreten ist. Flaschenkürbis wächst und fruchtet im Freiland. Wind kann die kletternde Pflanze umwerfen, deshalb sollte Windschutz Bestandteil des Anbauverfahrens sein. Im weiteren werden detaillierte Einschätzungen zu Wasserpfeffer, Blattgemüse, Chrysantheme, Koriander, Basilikum, Süß- und Bitterkohl gegeben.
Es gab Probleme mit Fraßschäden durch Schnecken und andere ab, vor allem Süßkohl und Blattgemüse wurden befallen. Diese Einschätzungen sind vorläufig, und beruhen auf der Auswertung der Grünmasse und der visuellen Einschätzung. Eine detaillierte Auswertung aller Daten wird bis zum Ende der ABM erfolgen.

Wasserpfeffer
Die Saatgutqualität war unterschiedlich. Wasserpfeffer wächst im Gewächshaus auf jeden Fall gut. Im Feld war das Wachstum im Pflanzung Juli und August gut, im Juni war es zu kalt. Zur günstigsten Aussaat- und Pflanzzeit sind Ertrag und Qualität ist ebensogut wie in Vietnam. Tendentiell war das Wachstum im wärmeren Gewächshaus besser, Bei Aussaat im Juli war das Freiland ebensogut wie das Gewächshaus. Entscheidend scheint bei Wasserpfeffer die Temperatur zu sein.

Blattgemüse
Im Gewächshaus war die Anfangsentwicklung gut, die Pflanzen waren kräftig, blieben aber lange sitzen. Im Juli und August war die Entwicklung am besten, das wärmere Gewächshaus schnitt dabei deutlich besser ab. Bei im Juni gepflanzten Blattgemüse war die Entwicklung im Freiland langsamer als im Gewächshaus, jedoch können nach 80 Tagen gute ebenso hohe Erträge wie im Gewächshaus nach 40 Tagen erzielt werden. Im Juli/August war das Freiland überlegen.

Koriander
Gutes Saatgut vorausgesetzt, wächst Koriander in Gewächshaus und Freiland gleich gut, auch zwischen den Aussaatzeiten gab es keine eindeutigen Unterschiede. Jedoch sollte Koriander nach 35-40 Tagen geerntet werden, sonst blüht er.

Basilikum
Basilikum zeigt im Gewächshaus eine sehr gute Entwicklung, das wärmere Gewächshaus schnitt besser ab. Die Qualität wurde als gut eingeschätzt. Im Freiland entwickelte das Basilikum auch im Juli/August nur wenig Blattmasse und blühte schnell.

Chrysantheme
Im Gewächshaus war die Entwicklung gut, obwohl die Pflanze nicht hoch wurde, hatte sie große Blätter, die Qualität, kenntlich am Geruch, war gut. Im kühlen Juni boten die Gewächshäuser einen Vorteil. Im Freiland wurde die Pflanze im Juli/August höher, mit vielen großen Blättern. Auch bei der Chrysantheme muss beim Erntetermin ihre Blühneigung berücksichtigt werden.

Bitterkohl
Im wärmeren Gewächshaus wurden etwas höhere Grünmassen geerntet. Insgesamt war der Ertrag aber niedrig, weil Bitterkohl im Frühjahr und Sommer sehr schnell blüht. Es wäre zu prüfen, ob Winteranbau im Gewächshaus in Frage kommt.

Süßkohl siehe Bitterkohl

Förderung: Arbeitsamt Rostock und in Kooperation mit dem Fachbereich Agrarökologie der Universität Rostock.

On November 30th, 2001, posted in: Projektarchiv by