

Huy und Hoang: Nur die Jungs, standen um 9:45 Uhr auf (ist doch aber klar, daß die Mädchen später aufstehen!?). Nach dem Frühstück, bei dem die Mädchen unter anderem leckere Rühreier zubereitet hatten, gingen wir arbeiten. Wir teilten uns in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe fuhr mit dem Auto nach Medias zum Einkaufen und danach im Wald, um Holz für das Lagerfeuer zu sammeln; und die andere blieb in Arbegen, um Reinigungsarbeiten im und um das Haus herum zu machen und das Eingangstor zu streichen. Das aber hatte bestimmt siebzig Jahre keine Farbe gesehen, die alte kratzten wir mühsam runter und dann kam der erste Anstrich mit der Rostschutzfarbe.



Raluca und Georgi: Am Nachmittag bereiteten wir das Essen der Nationen vor, bei dem wir Typisches aus unseren Heimatgebieten vorstellten: Phong und Chanh bereiteten ein vietnamesisches Essen vor: Scharfe Hähnchen mit buntem Gemüse und Naturreis. Raluca, Georgi, Adriana und Lidia buken Pfannkuchen... das Einzige, was den vietnamesischen Jungs von unserem rumänischen Essen in den Tagen wohl geschmeckt hat... Aber es war schön wir waren eine große Runde und hatten auch verschiedenen Besuch: Aus Mediasch von Edith Toth, die an der Evangelischen Kirche Organistin und ungarisch-sächsischer Herkunft ist und uns mit ihrem Söhnchen besuchte (eigentlich wollte sie unser Treffen mit Ulf zusammen leiten). Und Ulfs Tochter Kirsten. Und Izumi, die uns alle mit ihrer Fröhlichkeit ansteckte. Und aus Sibiu war die Journalistin Beatrice Ungar von der Hermannstädter Zeitung mit Begleitung gekommen, die sich besonders für die Vietnamesen interessierte. Ist ja auch klar! Am Abend, gegen 19.00 Uhr: Besuch bei einer Hochzeit! Die Schwester unseres Hausmeisters Mihai Florin, heiratete und wir waren zum Gottesdienst in die rumänisch-orthodoxe Kirche eingeladen. Unsere neuen Freunde waren sehr beeindruckt von der rumänischen Tradition bei einer Hochzeit. So viel Musik und Fröhlichkeit!
Michael: Neben Saxofonspielern begleiteten den Festzug selbst Büffel und Kühe, die von den Feldern kamen! Hat das schon jemand in Bukarest oder Hanoi oder Rostock gesehen?? Ich fand das wunderbar...
Raluca und Georgi: Die Jungs gingen gegen 23.00 Uhr in die Dorfdisco, obwohl Ulf uns einen Kassettenrecorder gebracht hatte. Wir Mädchen haben uns ohne die Jungs einen wunderschönen Abend gemacht und so konnten wir in Ruhe tanzen und Blödsinn machen. Um 24:00 Uhr ist eine Gruppe wieder in die sächsische Kirche gegangen, um dort zu singen und zu beten; um eine seelische Ruhe zu finden. Zum ersten Mal schlief Izumi mit uns in Arbegen.
Huy: Ich bin kurz vor 03:00 eingeschlafen und ich weiß nicht mehr genau, wieviel schöne Mädchen ich in meinem Traum getroffen habe...
Sonntag, 19. August 2001
Georgi: Ich hatte Aufweckdienst und mußte Michael, Thinh und die Jungs aufwecken ... als der Morgen dämmerte.***** Natürlich half mir Izumi dabei und beim Tisch decken. Nach dem Frühstück ging die Reise nach Medias schon, wo wir am deutschen Gottesdienst teilgenommen haben. Meiner Meinung nach war das eine sehr beeindruckende Erfahrung, denn ich war noch nie in einer Evangelischen Kirche, wo ich zum ersten Mal den Gottesdienst in deutscher Sprache gehört habe.
Michael: Dann fuhren wir mit den Bussen noch einen Abstecher nach Wurmloch/Valea Viilor, wo uns der Küster extra empfing und uns nicht nur die beeindruckende Kirchenburg zeigte, einige von uns auf den Turm stiegen und von oben die Dorfstruktur und die Umgebung des Tals der Weintrauben sehen konnten. Nein: Er ließ uns die im Kirchgarten wachsenden Äpfel pflücken. Äpfel, die die Süße Siebenbürgens in sich tragen. So gute Äpfel fanden wir weder vor, während oder nach der Reise. Geschweige denn im Supermarkt in Deutschland....
Raluca und Georgi: Eine Stunde lang hatten wir nach dem Gottesdienst noch Individualprogramm und konnten Medias besichtigen. Einige von uns gingen auf den Markt, andere schauten sich die Gründerzeitfassaden der Häuser an, die von der Geschichte auch Österreich-Ungarns erzählen. Andere besuchten das Internet-Café. Auf das Mittagessen, das wir in Frauendorf einnahmen, mußten wir fast eine Stunde warten! Wir hatten immer wieder dieses Glück gehabt! Die Vietnamesen hatten nur eine Rindsuppe gegessen und waren nachher hungrig und wir wissen auch heute nicht, warum sie nicht noch etwas anderes bestellt haben. Gegen 15 Uhr waren wir in Arbegen, wo wir uns den Film The true lies in Rostock angesehen haben. Wir waren sehr schockiert, daß in einem entwickelten Land wie Deutschland, so etwas schreckliches passieren kann; für uns ist eigentlich so etwas unbekannt. Das Gespräch über den Film entwickelte sich schon ein wenig schleppend, zumindest was die Rostocker Jugendlichen betraf. Lag es daran, das sie diese Geschichte ihres neuen Heimatortes nicht selbst erlebt haben, da sie alle 1992 noch in Asien lebten? Schon zu viel Auskunft geben mussten? Thinh aber, der ja damals zu den im Hochhaus Eingeschlossenen gehörte, konnte uns vieles erklären.
Michael: Ich lebe nun seit mehr als drei Jahren in Rostock und habe die rassistischen Ausschreitungen von 1992 damals über die holländischen Medien wahrgenommen und später von Beteiligten, wie durch Thinh oder Rostocks Ausländerbeauftragten Wolfgang Richter, mehrfach gehört. Eine spannende Sequenz kam für mich in der Bemerkung Thinhs, das er jetzt, hier in Rumänien, manches für sich besser einordnen kann. Denn die Roma, die 1992 vor dem Aufnahmeheim in Lichtenhagen ohne sanitäre Möglichkeiten campieren mussten, waren der offizielle Anlaß für die brutalen Attacken auf das von den vietnamesischen Frauen, Kindern und Männern bewohnte Haus, der manchen damals durchaus willkommen war. Jetzt, 2001, erlebt er das Herkunftsland der meisten von damals in Rostock lebenden AsylbewerberInnen. Fühlt sich hier sehr wohl, sieht die Armut, aber auch die Schönheit im Antlitz vieler Menschen. Und in unserer Gruppe sind zwei Roma-Mädchen, die sehr unsere Gruppe durch ihr Tun, ihre Aufmerksamkeit und ihr selbstbewusstes Auftreten bereichern....
Raluca und Georgi: Am Abend gingen wir wieder in die Kirche, um neue Lieder von Taizé zu lernen. Es war sehr schön, daß Menschen aus verschiedenen Religionen diese Zeit nutzten, um sich spirituell zu finden.
*****Anmerkung von Michael: Der Morgen dämmerte bei Georgi an diesem Tag so gegen 7.30 Uhr...
Montag, 20. August 2001



Raluca, Georgi und Michael: Wir mußten wieder einmal früh aufstehen, um einen Ausflug mit den drei gemieteten Kleinbussen nach Birthälm/Biertan zu machen. Die Kirchenburg von Birthälm steht auf dem UNESCO-Weltkulturerbe und ist eine der noch wenigen erhaltenen Wehrburgen, deren drei Ringmauern gut erhalten sind. Und das gotische Portal! Und die Sakristeitür, die selbst auf einer Weltausstellung präsent war... (da haben wir ja die beiliegenden Fotos). Vor der Besichtigung der alten Festung und Kirche machte Ulf Ziegler eine kurze Einführung in der Geschichte der Besiedlung Transsilvaniens sowie zu den Tataren- und Türkeninvasionen. Lustig: Es gab ein Scheidungszimmer. Die Sachsen hatten eine ganz besondere Methode, um Eheprobleme zu lösen: Das trennungswillige Ehepaar wurde in einem kleinen Zimmer eingesperrt und sie hatten alles nur in einmaliger Ausführung: einen Becher, ein Bett, eine Gabel, einen Löffel, ein Messer.... sie mussten bis zu vier Wochen in dieser Kammer bleiben. Sollten die Streitereien nicht zu Ende gegangen sein, wurde die Ehe durch den Bischof getrennt. Das soll, so Ulf, aber nur einmal passiert sein! Wir haben auch die Weinbereitungskunst der Siebenbürger kennengelernt. In der Bithälmer Winzerkooperative informierten wir uns über die Probleme, die mit dem Weinanbau in post-kommunistischer Zeit, der biologischen und die Schwierigkeiten des Exports in die Europäische Union beinhalteten. In den riesigem unterirdischen Kellern, in denen die Weinfässer mehr als vier Meter unter der Erde mit einer konstanten Luftfeuchtigkeit von 80% liegen, konnten wir zwei verschiedene Weinsorten kosten. Sehr lecker!


Raluca und Georgi: Unterwegs luden uns unsere vietnamesischen Freunde zum Mittagessen ein. Standesgemäß saßen wir im Hotel Dracula. Das fanden wir beide sehr nett! Nach diesem leckeren Essen mussten wir uns leider aus Zeitgründen (da wir mehr als eine Stunde auf das Essen warten mussten) in zwei Gruppen teilen.. Eine Gruppe wollte das Orgelkonzert von Izumi in Medias unbedingt erleben. Andere wollten ins sächsische Nürnberg, nach Schäßburg/Sighisora. Wir beide fuhren nach Schäßburg einkaufen und weil wir noch Zeit hatten, haben wir auch eine kleine Stadtbesichtigung unternommen und den alten sächsisch-jüdischen Friedhof besucht. In Arbegen trafen wir uns alle wieder, und da gab es eine andere Überraschung: Kaum waren wir da und bereiteten unseren Abschiedsabend vor (natürlich mit Musik!), da kam ein Sturm und das Licht verschwand....
Huy: Es regnet immer mehr. Thinh meinte, daß der Himmel an dem Abend weinte, weil wir am nächsten Tag wegfahren mußten. Der heutige Abend ist für mich sehr wichtig ... Ein unvergeßlicher Abend! Alle sehen sehr müde aus, aber wohl niemand will schlafen gehen.
Georgi: Um 3:00 kam wieder das Licht. Phong und Lavinia wollten tanzen und die anderen aufwecken. Ich habe Fußball mit Ionut, Hieu und Ulf in der Küche gespielt und dann ging es draußen bis 5 Uhr mit Volleyball weiter. Das war aber ein schöner Abend! Schade aber, daß nicht alle wach waren.
Dienstag, 21. August 2001
Huy: Wir standen um 10:00 auf und mußten die Zimmer aufräumen und reinigen. Und Wasser holen, weil der Strom noch nicht wieder da war. Waschen heute mal am Ziehbrunnen! Und einige Jungs machten sich mit Thinh am Tor zu schaffen: das neue-alte Schloß wurde eingebaut und die schwarze Deckfarbe kam auf´s Tor....
Raluca, Georgi und Michael: Die übriggebliebenen Stunden gingen sehr schnell vorbei. Von Adriana und Lidia mußten wir uns eher verabschieden, da sie vom Pfarrer aus Reghin/Sächsisch Reen mit dem Auto abgeholt wurden. So blieben nur wir, die Gruppe aus Klausenburg, die die Rostocker am Abend verabschieden mußten. Gott sei Dank hatte der Zug aber zwei Stunden Verspätung und so hatten wir mehr Zeit, um mit unseren Freunden noch ein Saft trinken zu können. Dieter, der auch wie die Mediascher Organistin Edith zum Bahnhof gekommen war, saß mit bei den großen am Tisch und trank Bier. Auch Thinh, Christa, Ulf, Izumi und Michael, die dort zusammensaßen, war es wohl nicht so leicht, adé zu sagen. Der Abschied viel uns allen schwer! Aber wir können es kaum erwarten, uns nächstes Jahr wiederzusehen. Dann an der Ostsee!
Mittwoch, 22. August 2001
Hoang und Huy: Zwei Stunden hatte der Zug in Mediasch Verspätung. Aber zwei Stunden sind für uns zu wenig! Schließlich, gegen 23.30 Uhr, kam der Zug. Leider! Es fiel uns schwer,tschüß zu sagen. Auch wenn wir wussten, dass wir uns nächstes Jahr sicher wiedersehen werden. Im Zug erfuhren wir den Grund der Verspätung: Ein Güterzug, der vor unserem auf dieser Strecke fuhr, sei entgleist. Das ist traurig! Die Verspätung erhöhte sich auf sechs Stunden und als wir in Wien umsteigen wollten, waren natürlich unsere Anschlusszüge weg. Aber es ging doch gut weiter: kurz vor Mitternacht waren wir in Hamburg, stiegen nochmals um bis Lübeck. Aber Michael hatte schon im ICE die Sache gemeldet und so warteten Dank der Freundlichkeit der Deutschen Bahn zwei Taxis auf uns, die uns bis Rostock brachten. Am Donnerstagmorgen, so gegen 3.30 Uhr in der Frühe rollten wir dann zu Hause ein. Willkommen Rostock: Wir haben euch manches mitgebracht!