Rückblick: Über 90 Interessierte beim Fachtag zur Sprachmittlung in MV

Über 90 Fachleute fanden sich am Mittwoch, 22. November 2017, zum Fachtag  „Sprachmittlung als Instrument der interkulturellen Öffnung und Integration in MV. Vom Projekt zur Struktur“ im Rostocker Rathaus ein. Unter den Teilnehmenden waren VertreterInnen aus der Integrationsarbeit, aus Ämtern und Beratungseinrichtungen, aus dem Gesundheitswesen, aus dem Bereich Schule und Bildung und aus dem Sozialministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Der Rostocker Senator für Jugend, Soziales, Gesundheit, Schule und Sport betonte in seinem Grußwort, wie wichtig die Sprachmittlungsleistungen des Projektes SprInt Rostock für die Hansestadt sind, insbesondere seit der großen Flüchtlingszuwanderung im Jahr 2015. Die Hansestadt Rostock finanziere das Projekt als freiwillige Leistung, weil es das passende Instrument für den hochsensiblen Bereich der Verständigung und interkulturellen Kompetenz sei, so Bockhahn. Er bedankte sich bei den Projektmitarbeiterinnen für die gute Kooperation mit dem Amt für Jugend, Soziales und Asyl der Hansestadt.

Die Koordinatorin des Netzwerkes für Sprachmittlung in MV des Vereins Diên Hông e.V. Susanne Düskau machte in ihrer Begrüßung deutlich, dass die Sensibilisierung von Auftraggebern, Politik und Verwaltung weiterhin ein Schwerpunkt der Sprachmittlungsprojekte bleibt, denn zu oft wird die Verständigung noch LaiendolmetscherInnen überlassen und die Verantwortung dafür auf die Zugewanderten selbst abgewälzt.

Im Vortrag von Wolfgang Barth (AWO Bundesverband e.V., Berlin) kam die Verantwortung der Institutionen der sozialen Arbeit noch einmal zur Sprache. Sie müssen laut Barth ihre Dienste in einer Einwanderungsgesellschaft wie Deutschland so anbieten, dass sie wirken können. So sind sie im Sinne der interkulturellen Öffnung verpflichtet, auch Sprachmittlung zu nutzen und die Kosten dafür zu tragen.

Antje Schwarze (Condimento.net, Köln) betonte in ihrem Vortrag einerseits die Relevanz der Qualifizierung von Sprachmittelnden insbesondere hinsichtlich des Rollenverständnisses und der Reflexionskompetenz. Andererseits verwies sie auf die Verantwortung des Fachpersonals, sich die Besonderheiten der Kommunikation im Trialog bewusst zu machen. Sprachmittelnde, so Schwarze, leisten eine ethisch hoch komplexe Arbeit, um einen Austausch mit Zugewanderten auf hohem Niveau zu gewährleisten.

In zwei Workshops wurden nach dem Mittag die Strukturen der Sprachmittlung in MV umrissen und die besonderen Herausforderungen des Trialogs an das Fachpersonal genauer betrachtet.

Peter Herrmannsen Leiter des Referats Zuwanderung und Integration im Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung des Landes MV berichtete in Workshop 1, dass die Landesregierung Mittel für die Sprachmittlungsprojekte bereitstellt und damit ermöglicht, dass die Dienstleistung zu einem günstigen Entgelt verfügbar wird. Er betonte, dass auf der anderen Seite auch die Auftraggeber finanzielle Vorsorge treffen müssen, um das Angebot nutzen zu können.

Anschließend stellten sich die drei in MV aktiven Sprachmittlungspools SprInt Rostock und Umgebung (für die Hansestadt und den Landkreis Rostock), SpuK Schwerin (für die Landeshauptstadt und den Landkreis Ludwigslust-Parchim) sowie AWO lingo (für die Mecklenburgische Seenplatte) vor und berichteten aus ihrer Praxis. Dabei wurden Fragen der Verstetigung, der Abdeckung ländlicher Räume  sowie der Qualifizierung von Mittelnden als besondere Herausforderungen definiert.

 

On November 24th, 2017, posted in: Newsarchiv by